KI-Lösungen mit echtem Mehrwert – im Gespräch mit Tobias Brünig, dem neuen Leiter der SIGUV KI Community

Vor einigen Wochen ging Dr. Johannes Hüdepohl in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger ist Tobias Brünig, der damit nicht nur die Leitung der Stabsstelle Controlling bei der BG ETEM übernommen hat, sondern auch die Leitung der SIGUV KI Community (KIC). Dies geschieht zu einer Zeit, in der im Bereich der Künstlichen Intelligenz enorme Veränderungen stattfinden und spannende Impulse gesetzt werden. Gründe für ein Gespräch mit Tobias Brünig gibt es also genug.

Eine neue Leitung für die SIGUV KI Community

„Ursprünglich habe ich mit einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten angefangen“, berichtet der neue Leiter der KIC über seinen Werdegang. „2007 bin ich dann in die BG ETEM eingetreten, habe ein duales Studium absolviert und bin seit 2013 im Controlling. Dort hat Dr. Hüdepohl das Thema KI eingebracht, weswegen ich mich dahingehend weitergebildet und bereits einige Jahre als Referent für den Bereich Data Science hausübergreifend um KI-Themen gekümmert habe.“

Seit dem 1. August 2026 leitet Tobias Brünig somit das Controlling der BG ETEM und auch die KIC. Die aktuellen KI-Themen in der SIGUV hat er deswegen gut im Blick: „UADOK+ startet bei der BGHW! Dabei handelt es sich um eine KI-gestützte Unfallkodierung, die mit der Anacision GmbH entwickelt wurde und bei der BG ETEM bereits länger im Einsatz ist. Dabei schlägt die KI anhand der vorliegenden Daten bereits vor, wie der jeweilige Unfall kodiert wird. Die Anwendenden müssen das dann nicht mehr händisch aus einem Dropdown-Menü auswählen, sofern sie zu der Entscheidung kommen, dass die Einordnung durch die KI passt.“

KI-Lösungen mit echtem Mehrwert

Ein weiterer Start einer bei der BG ETEM bewährten Lösung steht bei der BG Verkehr bevor, wie Tobias Brünig erklärt: „RehaPlus unterstützt die Anwendenden im Reha-Management, indem dadurch eine gewisse Lesearbeit abgenommen wird. Die vorhandenen Daten werden zur Erstellung von Prognosen ausgewertet. Auch in diesem Fall liefert die KI nur Empfehlungen und die Entscheidung liegt natürlich bei den Anwendenden.“

Dabei sieht der neue Leiter der KIC eine wachsende Akzeptanz gegenüber KI. „Als wir damit angefangen haben, mussten wir die Leute noch davon überzeugen, dass das eine gute Sache ist“, blickt Tobias Brünig zurück. „Damals bewegten wir uns zunächst noch im klassischen Kontext des maschinellen Lernens. Jetzt geht es mehr um agentische KI und es herrscht größere Aufgeschlossenheit.“

Inzwischen wird häufiger nach Lösungen für bestimmte Anwendungsfälle gefragt, in denen die KI sinnvoll eingesetzt werden kann, was auch an der wachsenden Popularität großer Sprachmodelle liegen mag. „Studien zeigen, dass der Mehrwert von KI-Lösungen höher ist, je individueller diese eingesetzt werden können“, erläutert Tobias Brünig den Hintergrund.

Harmonisierung und Weiterentwicklung

SIGUV_KIC_NL.jpgIn diesem Zusammenhang hat es sich gelohnt, die jeweilige technische Basis so zu gestalten, dass sie flexibel eingesetzt werden kann. „Das trifft auch auf die Anwendungen zu, die zunächst spezifisch für ein Haus gestaltet worden sind. Zumindest leichte Anpassungen waren aber immer nötig, weswegen wir inzwischen bei Neuentwicklungen komplett hausübergreifend denken. Dabei hilft uns, dass es innerhalb der SIGUV mit GEM-IT inzwischen eine gemeinsame IT-Organisation gibt. Daraus entstehen natürlich wieder ganz eigene Anforderungen, aber es bleibt eine im Endeffekt lohnende Herausforderung“, umreißt der Leiter der KIC das im Blick zu behaltende Spektrum.

„Gerade findet ein großer Umbruch statt“, ordnet Tobias Brünig ein. „Es gibt so viele hauseigene Prozesse und Formulare, also entsprechend viel zu tun. Wenn wir also auf einen bereits hausübergreifend harmonisierten Prozess treffen, ist das super.“

KI-Agenten verschlanken Prozesse

Manchmal gibt es jedoch hausinterne Besonderheiten zu beachten. „Dann müssen wir eben prüfen, ob die Technik angepasst werden muss oder wir eine Lösung finden, die unterschiedliche Prozesse berücksichtigt und ausgleicht. Vereinzelt gibt es da auch einen gewissen Trennungsschmerz, wenn man sich von alten Prozessen oder Formularen verabschiedet, aber insgesamt haben wir bisher sehr positive, kooperative Erfahrungen gemacht. Zukünftig könnten Prozesse ohnehin von einer KI-Assistenz übernommen werden“, schlägt Tobias Brünig den Bogen zurück zu den KI-Agenten. „BesA, die Besichtigungsassistenz – durch UV Nexus bereitgestellt und bei der BGHW im Einsatz – funktioniert bereits über Spracheingabe. Da bekommen Sie das dahinterliegende Formular zum Beispiel nur zu Gesicht, wenn Sie etwas überprüfen wollen.“

Dieser Ansatz wird in Zukunft eine enorme Arbeitserleichterung mit sich bringen, von der auch die Mitglieder profitieren. „Bei der BG ETEM ist seit Juli 2026 im Unternehmerportal im Bereich Mitglieder und Beitrag ein Chatbot aktiv“, beschreibt der KIC-Leiter die neue Möglichkeit zur Eingabe von Anliegen. „Da sind wir direkt beim Thema Datenschutz und müssen uns natürlich am EU AI Act sowie nationalen Richtlinien und Gesetzen orientieren. Trotzdem ist der Bedarf da und das Interesse aus anderen Häusern an solchen Angeboten sehr groß.“

Eine lohnende Herausforderung

In diesem Jahr hat sich der Blickwinkel durch UV Nexus, die große IT-Kooperation in der gesetzlichen Unfallversicherung, abermals geweitet, wie Tobias Brünig abschließend erklärt: „Inzwischen tauscht sich die KIC im Rahmen von UV Nexus noch intensiver mit anderen Trägern außerhalb der SIGUV aus, wenn es um KI-Projekte geht. Da gibt es also weitere Unterschiede in den Prozessen zu berücksichtigen, wenn es gemeinsame Projekte innerhalb der Kooperation gibt. Das ist eine riesige Herausforderung, aber das gemeinsame Arbeiten, das Weiter- und Neuentwickeln, das bekommen wir durch eine agile Planung hin – und schaffen am Ende mit übergreifenden KI-Lösungen einen echten Mehrwert für die gesamte gesetzliche Unfallversicherung.“

SMK