UV Nexus - eine Kooperation unter Gleichen

2025 war es so weit: Sieben Berufsgenossenschaften und eine Unfallkasse bündeln ihre IT-Expertise in UV Nexus. Über die Anfänge sowie Ziele dieses Zusammenschlusses sprachen wir mit SIGUV-Geschäftsführer Jörg Botti, Hauptgeschäftsführer der BG ETEM und als solcher Mitglied des Kooperationsleitungskreises von UV Nexus.

Wie fing alles an?

„In der gesetzlichen Unfallversicherung haben wir eine Vielzahl an gemeinsamen Gremien, welche die Möglichkeit bieten, sich auch abseits des Tagesgeschäfts auszutauschen“, beschreibt Jörg Botti das vertrauensvolle Klima in der Branche. „Wir kennen uns alle gut.“

Eine existentielle Frage
 
Dabei wurde klar, dass gewisse Herausforderungen alle Unfallversicherungsträger betreffen, darunter nicht zuletzt der demographische Wandel. „In den nächsten sieben Jahren wird über ein Drittel unserer Beschäftigten in den verdienten Ruhestand gehen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der BG ETEM. „Das müssen wir durch Weiterentwicklungen in der IT, durch Digitalisierung und KI-Lösungen auffangen – denn diese Stellen werden wir aufgrund des Fachkräftemangels am Arbeitsmarkt nicht so einfach neu besetzen können.“
 
Hinzu kommen die Bedürfnisse der Mitglieder und Versicherten, die erwarten, dass ihre Anliegen effizient bearbeitet werden. „Wir brauchen digitale, bürgernahe Prozesse, die Verwaltungen entlasten und den Ansprüchen der Nutzenden gerecht werden.“
 
Der Ernst der Lage sei dabei nicht zu unterschätzen: „Es geht um die Leistungsfähigkeit der Sozialversicherung. Das ist also eine existenzielle, gesellschaftliche Frage, die wir beantworten müssen“ stellt Jörg Botti klar.

Zusammenarbeit ist die Lösung

„Wir müssen Tempo in die IT-Weiterentwicklung bringen und da hat es natürlich keinen Sinn, wenn mehrere Unfallversicherungsträger nebeneinander her das gleiche entwickeln.“ Für Jörg Botti, zugleich einer der Geschäftsführer der SIGUV, war deshalb klar, was zu tun ist. „Unser Entschluss war es, über unseren bereits bestehenden Verbund hinausgehend nach weiteren Möglichkeiten zur Erzeugung von Synergien zu suchen.“
 
Bei Gesprächen auf Geschäftsführungsebene fand die Idee schließlich Anklang, wie Jörg Botti erklärt. „Es wurden schnell erste Arbeitsgruppen gebildet, in denen IT-Leitungen sondiert haben, auf welchen Feldern gemeinsam an ersten kleinen Projekten gearbeitet werden kann.“ So begann die Zusammenarbeit in der neuen Kooperation – die erst noch einen Namen finden musste.
 
Gemeinsam erfolgreich bei KI-Lösungen und Cybersicherheit
 
Erste Synergien konnten schnell ausgemacht und erfolgreich genutzt werden, zunächst bei der Besichtigung von Betriebsstätten. „Die tatsächliche Besichtigung vor Ort im Sinne des Arbeitsschutzes kann man nicht digitalisieren, sehr wohl aber den Prozess darum herum,“ erklärt der Geschäftsführer. „Das beginnt schon mit der Planung. Bei der BG ETEM verfügen wir über eine KI-Lösung, die uns bei der Einschätzung hilft, in welchen Betrieben ein höheres Unfallrisiko vorliegt und Besichtigungen entsprechend häufiger stattfinden müssen.“
 
Daran anknüpfend fand man innerhalb der neuen Kooperation direkt eine ergänzende Lösung, wie Jörg Botti schildert: „Bei der BG BAU ist eine KI-Lösung im Einsatz, die bei der Erstellung der Besichtigungsberichte hilft, noch vor Ort Ergebnisse digital festhält und darauf aufbauend automatische Textbausteine generiert.“ Das Teilen beider Lösungen war also ein Gewinn für alle Seiten.
 
Ebenso geeint wollen die Kooperationsmitglieder beim Rechenzentrumsbetrieb vorgehen. „Wir kommen beim Thema Cybersicherheit gemeinsam besser voran und sind zum Beispiel besser gegen etwaige Ausfälle geschützt, wenn wir unsere Standorte vernetzen.“

Tempo machen – aber es gemeinsam halten

Am 10. September bekam die neue Kooperation schließlich einen Namen: UV Nexus. Der Kooperationslenkungskreis und der -steuerungskreis trafen sich in Berlin und legten dabei eine bis ins Jahr 2032 reichende Roadmap fest. „Der KLK ist die Runde der Geschäftsführungen, im KSK treffen sich die IT-Leitungen der Kooperationsmitglieder,“ erklärt Jörg Botti die organisatorische Struktur von UV Nexus.
 
Transparente Kommunikation, gleichwertige Beteiligung und gemeinsame Beschlüsse erfordern einen regelmäßigen Austausch und sorgfältige Abstimmungen. „Wir müssen aber auch Tempo aufnehmen, wenn wir unsere Ziele bis 2032 erreichen wollen,“ schildert Jörg Botti die Herausforderung. „Wir kommen auf Ebene der Hauptgeschäftsführungen mindestens vier mal im Jahr zusammen, können aber auch kurzfristig weitere Treffen einberufen, um schnell gemeinsam zu entscheiden.“
 
Auch bei den Zusammenkünften der SIGUV-Gremien, die Jörg Botti als Geschäftsführer umfassend im Blick hat, steht das Thema stets auf der Tagesordnung: „Wir besprechen, welche unserer Stärken wir einbringen können und treffen entsprechende Entscheidungen. Da bin ich eng dran.“

Gegenwart und Zukunft von UV Nexus

NL_Januar26.jpgDabei ist es zentral, von den Bedürfnissen und Erwartungen der Versicherten her zu denken. „Deswegen legen wir einen klaren Schwerpunkt auf Automatisierung, zum Beispiel bei manuellen Arbeitsschritten wie der Anlage des Versicherungsfalles oder der Rechnungsprüfung“, erklärt Jörg Botti. „Das schafft Kapazitäten für die Tätigkeiten, die wir nicht digitalisieren können.“
 
Digitalisierung und KI-Lösungen verringern also nicht den zwischenmenschlichen Kontakt, sondern schaffen mehr Raum für persönliche Betreuung. „Das ist ein wesentlicher Bestand unserer Aufgabe als Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger“, weiß der Geschäftsführer und blickt deswegen zuversichtlich auf die weiteren Projekte mit UV Nexus.
 
„Am Anfang mussten wir uns erst noch beschnuppern, aber inzwischen herrscht eine vertrauensvolle und von Gemeinsinn geprägte Atmosphäre“, beschreibt Jörg Botti die Zusammenarbeit in der neuen Kooperation. „Wichtig ist uns, dass kein Unfallversicherungsträger das Gefühl hat, er würde irgendwo beitreten und sich unterordnen – es ist eine Kooperation unter Gleichen und der Erfolg gibt diesem Konzept Recht.“

SMK